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Prüfungen Tierwelt-Berichte von unserem Verein

Tierwelt-Bericht

Tierwelt - Bericht vom 12.07.2012

von unserem STD Verein

Mantrailing als Hundesport
Mantrailing, also die Suche nach vermissten Menschen, ist in den USA gang und gäbe und wird in einigen Staaten sogar vor Gericht anerkannt. Seit 14 Jahren werden auch in der Schweiz Hunde (vor allem Bloodhounds), die dem Individualgeruch eines Menschen folgen, für Ernsteinsätze ausgebildet. Gabi Schulthess, die seit 12 Jahren Mantrailing betreibt, hat nun den ersten Verein gegründet, der allen Hunden eine solide Mantrailing-Ausbildung anbietet, jedoch nicht ernste Einsätze zum Ziel hat, sondern den Hunden eine artgerechte, sport- und hobbymässige Beschäftigung ermöglicht.
Gabi Schulthess ist Hundetrainerin und Züchterin von Otterhounds. Zurzeit lebt Asira, eine achtjährige Hündin, in der Familie, die sich leider nicht zur Zucht eignet und zudem den Status als Einzelhund schätzt. Der Otterhound zählt zu jenen Rassen, die für die Nasenarbeit prädestiniert sind. 1997 hat Gabi Schulthess mit der Mantrailing-Ausbildung begonnen. Bald darauf hat sie sich auf die Tiersuche spezialisiert und bot ihre Dienste jahrelang als einzige in der Schweiz an. Jetzt suchen drei Mensch-Hunde-Teams vermisste Tiere.
Tracking und Mantrailing
Tracking und Mantrailing sind nicht dasselbe. Beim Tracking folgen die Hunde vor allem den Bodenverletzungen, die durch Trittspuren verursacht werden. Deshalb fällt es diesen Hunden recht schwer, Fährten auf Asphalt oder ältere Fährten verschiedener Personen unterscheiden zu können. Es sind normalerweise Dienst- und Sporthunde (Fährtenhunde, Begleithunde oder Schutzhunde IPO), die die Prüfungen nach SKG-Reglement ablegen. Beim Mantrailing folgt der Hund dem Individualgeruch einer gesuchten Person. Dieser Geruch besteht aus Hautpartikeln, Fettsäuren und Körperausscheidungen, die von Bakterien zersetzt werden. Diese werden von jedem Menschen ununterbrochen abgesondert und hinterlassen eine Spur, die so individuell ist wie ein Fingerabdruck. Diese Partikel werden vom Wind von der eigentlichen Fährte weggetragen, sodass der Hund sich teilweise beachtlich von der Spur entfernt und Teilstücke abschneiden kann. Das ermöglicht ein schnelles Vorwärtskommen und zwar auf jedem Gelände! Es spielt auch keine Rolle, ob die gesuchte Person zu Fuss, mit dem Velo oder zu Pferd unterwegs war. An Prüfungen werden keine Punkte vergeben, es zählt einzig, ob das Team die gesuchte Person innert der vorgegebenen Zeit findet und anzeigt.
Als Gabi Schulthess privat zu trainieren begann, bot sie diese artgerechte Hundebeschäftigung auch anderen interessierten Haltern an. Vor drei Jahren gründete sie, zusammen mit einer Handvoll Gleichgesinnten, den Verein «Swiss Trailing Dogs» (STD). Zurzeit trainiert sie die Teilnehmer in zwei Gruppen. Der Verein zählt 24 Mitglieder, davon sind 10 aktive Hundeführer. Im Gegensatz zu anderen Hundesportarten benötigt der Verein STD keinen festen Trainingsplatz: «Wir sind in der Stadt, im Dorf, am Bahnhof, im Wald oder auf freiem Gelände. Entweder trainieren wir in der Region Zofingen oder wir treffen uns am Wohnort des einen oder anderen Teilnehmers. Dabei ist es selbstverständlich, dass wir Rücksicht auf andere Menschen und die Umwelt nehmen. Die Hunde arbeiten stets in einem Brustgeschirr und an der Fährtenleine. Dank den Schabracken mit unserem Vereinslogo und den Warnwesten der Hundeführer können wir der Bevölkerung signalisieren, dass wir am Trainieren sind», erklärt Gabi Schulthess: «Allerdings werden die Mensch-Hunde-Teams bei uns nicht auf ernsthafte Einsätze bei der Suche nach vermissten Personen ausgebildet. Wer das tut, muss einen unheimlichen zeitlichen Aufwand betreiben, körperlich topfit sein, den geeigneten Hund dazu haben, beruflich sowie versicherungstechnisch abgesichert sein. Es benötigt Verantwortungsbewusstsein, jahrelanges Training und teilweise sogar psychologische Betreuung, denn es kann beispielsweise sein, dass sich eine vermisste Person umgebracht hat. Meine Priorität gilt einzig einer artgerechten Beschäftigung für Hunde. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Hund eine lange oder kurze Nase hat. In unserem Verein trainiert ein Boxer mit, der seine Sache super macht!»
Damit diese neue Hundesportart nicht mit dem offiziellen Mantrailing, das die Polizei für den Ernsteinsatz trainiert, verwechselt wird, sucht der Verein nach einer geeigneten Bezeichnung. Es sollte ersichtlich sein, dass es ein Mantrailing auf sportlicher Basis ist.
Für die Suche nach vermissten Tieren ist der Trainingsaufbau genau der gleiche wie beim Mantrailing. «Die Menschensuche hat den Vorteil, dass der Mensch, der gesucht und schliesslich gefunden wird, super motivieren und belohnen kann! Das ist für die Arbeit des Hundes enorm wichtig. Damit er weiss, was er zu suchen hat, benötigt der Hund ein Objekt, welches den Geruch des Fährtenlegers trägt: den sogenannten Geruchsartikel. Eine erfolgreiche Suche hängt massgeblich von der Qualität des Geruchsartikels ab! Muss doch der Hund anhand des aufgenommenen Geruches den Figuranten durch etliche Millionen von Fremdgerüchen auf der Fährte zuverlässig und sicher verfolgen können. Trainiert wird jede zweite Woche. Ein solches Training dauert mindestens einen halben Tag und die Arbeit ist für alle anstrengend. Die Nasenarbeit verlangt vom Hund grösste Konzentration, schenkt ihm dafür aber volle Zufriedenheit. Auch der Hundeführer wird gefordert. Er muss lernen, seinen Hund zu beobachten, ihm zu vertrauen, ihn nicht zu manipulieren. Zudem hilft man sich gegenseitig beim Fährtenlegen. Die Fährten, die der Hund ausarbeiten muss, sind immer Fremdfährten, stammen also nicht vom eigenen Hundeführer! Dank der Unterstützung meiner Familie plane ich nun eine dritte Gruppe, eine Art Einführungsbasiskurs, sodass die Hundehalter später ihre Hunde selbstständig und artgerecht zu Hause beschäftigen können. Eine spätere Integration in den Verein ist nicht ausgeschlossen. Langfristiges Ziel ist es, zusätzliche Tiersuchhunde auszubilden. Nicht jeder Vierbeiner oder Hundeführer eignet sich für diese anspruchsvolle Arbeit.»

Positive Einflüsse
Der «Swiss Trailing Dogs»-Verein ist der einzige seinerArt, der Sport-Mantrailing-Team-Prüfungen auf neun Stufen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades anbietet. Hierzu werden auch externe Richter eingeladen, die jahrelange Erfahrung im Mantrailing aufweisen. Frühestens nach bestandenem Prüfungslevel 5 kann ein Einsatzeignungstest zur Tiersuche absolviert werden. Die Prüfungen stehen allen Mantrailinghunden offen. Detaillierte Infos dazu auf der unten aufgeführten Homepage.
«Wir sind kein Sprungbrett für <Möchtegerne-Menschenretter> - diese anspruchsvolle Arbeit soll man den Profis, die sich täglich damit beschäftigen, überlassen. Wir betreiben das Mantrailing als ernsthaften Hundesport, mit den Zielen der artgerechten Beschäftigung unserer Hunde, sowie der Förderung geeigneter Hundeteams zur Tiersuche. Das Sport-Mantrailing fordert viel von Hund und Führer, gleichzeitig schenkt es aber auch ungemeine Befriedigung. Hunde, die ihre Nase sinnvoll einsetzen dürfen, werden sich positiv verändern!», versichert Gabi Schulthess.

Christine Naef
www.trailing.ch , Tel. 062 751 84 89Tierwelt, Nr. 10, 2009